{"id":4120,"date":"2012-10-05T21:26:19","date_gmt":"2012-10-05T18:26:19","guid":{"rendered":"https:\/\/newarmorofgod.wpenginepowered.com\/aus-reiner-freundschaft\/"},"modified":"2024-02-17T10:03:42","modified_gmt":"2024-02-17T08:03:42","slug":"aus-reiner-freundschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.putonthewholearmorofgod.love\/de\/aus-reiner-freundschaft\/","title":{"rendered":"Aus reiner Freundschaft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr nach dem Schlaganfall an Silvester 1979 f\u00fchlte ich mich wie neugeboren.<br><br>Mein vergangenes Leben war vorbei und nichts Neues war vorhanden, um es zu ersetzen. Ich f\u00fchlte, dass ich eine endlose Menge an wei\u00dfem Papier vor mir hatte, auf dem ich mein Leben erschaffen k\u00f6nnte, genau so wie ich das von meiner neuen Startposition wollte und ich hatte alle Zeit der Welt, in der ich dies machen konnte.<br><br>Dieser Gedanke brachte mich in einen sehr leichten Gem\u00fctszustand und ich f\u00fchlte mich um viele Jahre j\u00fcnger. Ich hatte keine Lasten mehr zu tragen. Mein Kopf war gef\u00fcllt mit neuen Gedanken und ich hatte den brennenden Wunsch, ihre Nachhaltigkeit zu testen.<br><br>Zu jener Zeit lebte ich in einem Wohnheim f\u00fcr junge Menschen. Die Menschen um mich herum waren recht witzige Typen, aber gr\u00f6\u00dftenteils waren wir uns fremd. Wir hatten keine echte Verbindungen zueinander. Wir waren nicht f\u00e4hig solche Verbindungen zu sehen.<br><br>Die Menschen um mich herum waren fremd und gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig unerreichbar f\u00fcr mich. Wie auch immer &#8211; ich hatte den brennenden Wunsch einen Freund zu finden, mit dem ich meine neuen Erkenntnisse diskutieren konnte. Nachdem ich mich einige Zeit in diesem Gedankenkarussell befand, begriff ich, dass ich solch einen Freund hatte.<br><br>Vor meinem kulturellen Austausch in Deutschland verbrachte ich zwei Jahre vorher einen Monat in einem deutschen Dorf, um meine m\u00fcndlichen Sprachkenntnisse zu verbessern. Auf einer Party lernte ich einen jungen Mann &#8211; Andr\u00e9 &#8211; kennen, mit dem ich gemeinsam die lokalen Lebensgewohnheiten entdeckte.<br><br>Er hatte eben seine Schulzeit beendet, und wir feierten sein Abitur. Wir machten Ausfl\u00fcge in die n\u00e4here Umgebung und, da ich das Tanzen liebte, gingen wir auch ins Kino.<br><br>Nichts Weltbewegendes passierte zwischen uns. Ich f\u00fchlte nur, dass er ehrlich war und nicht versuchte, irgendeine Rolle zu spielen. So war ich f\u00e4hig so zu sein, wie ich war, als ich bei ihm war und er schien nichts anderes von mir zu erwarten.<br><br>Diese entspannte Verbindung zwischen uns sch\u00e4tzte mein Kopf jetzt als einen unvorhersehbaren Wert ein. Ich erinnerte mich an jeden einzelnen Moment mit Andr\u00e9. Ich erlebte die letzte Nacht, die wir gemeinsam verbrachten, immer und immer wieder: jene einzige Nacht brachte er mich in sein Zuhause. Wir trafen seine Mutter im Flur und begr\u00fc\u00dften sie hastig, aber schon in diesem fl\u00fcchtigen Moment f\u00fchlte ich die warme Verbindung, die in seinem Zuhause herrschte. Andr\u00e9 und ich sa\u00dfen nebeneinander auf dem Fu\u00dfboden in seinem Zimmer, tranken Bier und besprachen allt\u00e4gliche Dinge, aber alles was er sagte, klang so wichtig.<br><br>Nachdem ich nach Hause zur\u00fcckgekehrt war, schrieben wir uns Briefe. Unsere Korrespondenz kam zum Erliegen f\u00fcr einige Zeit, als ich im Krankenhaus lag, aber sobald meine Beine mich wieder etwas tragen konnten, bekam ich einen Rollstuhl und ein kleines elektronisches Ger\u00e4t, das \u00e4hnlich einer sehr kleinen Schreibmaschine war. W\u00e4hrend man schrieb, kam auf einer Seite ein d\u00fcnner Papierstreifen mit dem Text heraus.<br><br>So schrieb ich gleich einen Brief an Andr\u00e9, erz\u00e4hlte ihm von der Kehrtwende in meinem Leben und gab das Band in ein Kuvert. Ich bekam bald eine Antwort von ihm. Er hatte sich schon gewundert, warum unsere Verbindung unterbrochen wurde, und war froh, dass wir uns wieder schreiben konnten.<br><br>Als ich verstand, was f\u00fcr einen Freund ich in Andr\u00e9 hatte, begann ich \u00fcber alles mit ihm zu schreiben. Ich las seine alten Briefe, neue Erinnerungen kamen st\u00e4ndig in meinen Gedanken vor, und ich f\u00fchlte ihren erfrischenden Geist in meinem Herzen. Ich bemerkte, dass sich meine Gef\u00fchle in geschriebener Form in einer Art und Weise verbreiteten, wie ich es noch nie erlebt hatte.<br><br>Meine Gedanken entsprangen direkt aus meinem Herzen und Andr\u00e9 beantwortete sie in seiner eigenen Art und Weise. Das erste Mal in meinem Leben f\u00fchlte ich, dass ich eine echte Verbindung zu einer anderen Person hatte. Wir schrieben \u00fcber einfach alles: von Geschlechtsbeziehungen \u00fcber Placeboeffekt zu Einsteins Relativit\u00e4tstheorie.<br><br>Ich habe mir nicht eingebildet, dass ich mehr \u00fcber diese Dinge als vorher verstehen w\u00fcrde: meine Kenntnisse der deutschen Sprache stellten ohnehin eine Barriere dar. Nur das Gef\u00fchl, dass wir jede Art von Thema behandeln konnten, war revolution\u00e4r.<br><br>Das Gef\u00fchl, dass ich eine engere Beziehung zu einer Person schaffen konnte, die etwa tausend Kilometer von mir entfernt lebte, als zu meinem n\u00e4chsten Nachbar, war wesentlich daran beteiligt mein Selbstbewusstsein aufzubauen.<br><br><strong style=\"font-size: 20px; color: #dd3434;\">Video:<\/strong><br><br><a title=\"Saturday Night Fever - John Travolta - Bee Gees\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=u1qN6gLbUMw&amp;index=10&amp;list=PLpcQVY67r3kUqY08WNVVQn5zzv5rutvQz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Saturday Night Fever &#8211; John Travolta &#8211; Bee Gees<\/a><br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Jahr nach dem Schlaganfall an Silvester 1979 f\u00fchlte ich mich wie neugeboren. Mein vergangenes Leben war vorbei und nichts Neues war vorhanden, um es zu ersetzen. 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