{"id":4141,"date":"2013-08-21T10:56:37","date_gmt":"2013-08-21T07:56:37","guid":{"rendered":"https:\/\/newarmorofgod.wpenginepowered.com\/eine-neue-politische-kultur\/"},"modified":"2024-02-10T11:57:31","modified_gmt":"2024-02-10T09:57:31","slug":"eine-neue-politische-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.putonthewholearmorofgod.love\/de\/eine-neue-politische-kultur\/","title":{"rendered":"Eine neue politische Kultur"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der finnische Premierminister Jyrki Katainen behandelte in seiner Rede am 14.08.2013 in der Er\u00f6ffnung des Ministertreffens der konservativen Sammlungspartei die Faktoren der sozialen und gesellschaftlichen \u00c4nderungen. Er erl\u00e4utert das Thema aus der Perspektive der finnischen Gesellschaft, aber die \u00c4nderungen sind global zu sehen.<br><br>Die zentrale Kraft dieser Ver\u00e4nderung besteht in einer \u00c4nderung des Wertesystems des Menschen. Individuelle B\u00fcrger werden immer mehr zu Autorit\u00e4ten in der Gesellschaft. Die Erreichung eines gemeinsamen Konsens ist in vielerlei Hinsicht immer schwieriger geworden. Es werden kaum mehr Dinge realisiert, die von oben angewiesen oder befohlen werden. Die Menschen sind nicht mehr bereit, ihr Leben nach den traditionellen, autorit\u00e4ren Leitlinien auszurichten. Sie akzeptieren nicht mehr das Vorg\u00e4ngermodell, das sie bevormundet hat und stimmen nicht mehr mit der politischen Elite und mit den traditionellen Medien \u00fcberein, die durch politische Korrektheit gekennzeichnet sind.<br><br>Intuitive Visionen gewinnen an Autorit\u00e4t. Zuvor war die Rolle der Medien in der Gesellschaft f\u00fcr die Meinungsbildung von Bedeutung. Die Menschen von heute wollen selbst das Wissen suchen, das sie brauchen. Die politischen Rahmenbedingungen in der Zeit der sozialen Medien und der elektronischen Kommunikation haben sich wesentlich ver\u00e4ndert. Wissen ist leicht zu bekommen, es ist leicht zu teilen, und es ist leicht, Stellung zu nehmen.<br><br><\/p>\n\n\n<p>[blockquote align=&#8220;left&#8220;]<strong style=\"font-size: 20px; color: #104f0c;\">Bestenfalls st\u00e4rkt Individualisierung der Gesellschaft die Demokratie.<\/strong>[\/blockquote]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> <br><br>Einfluss und Macht auszu\u00fcben, wird so einfach wie nie zuvor. Die politische und wirtschaftliche Elite entscheidet nicht mehr allein, was passiert. Einzelpersonen, kleine Organisationen und andere Akteure k\u00f6nnen erheblich an der Entwicklung der Gesellschaft beitragen, wenn sie gut in der Lage sind, ihre eigenen Blickwinkel zu begr\u00fcnden. &#8222;Bestenfalls st\u00e4rkt dies die Zivilgesellschaft&#8220;, sagt Katainen.<br><br>Untersuchungen zufolge vertrauen nur 9% der Menschen in Finnland den politischen Entscheidungstr\u00e4gern. Weltweit befindet sich diese Zahl sicherlich in der gleichen Gr\u00f6\u00dfenordnung.<br><br>In anderen Worten, neun von zehn B\u00fcrger haben kein Vertrauen in Menschen, die Entscheidungen f\u00fcr sie treffen. Diese Situation kann man nach Meinung von Katainen nicht mit Achselzucken ignorieren und sagen, dass die Machthaber immer im Kreuzfeuer der Kritik bleiben. Kritik und Vertrauen sind zwei verschiedene Dinge.<br><br>In dieser Situation wird die St\u00e4rkung des Vertrauens bez\u00fcglich Entscheidungen und Zukunft betont. Deshalb muss die St\u00e4rkung des Vertrauens ein zentrales Ziel der politischen Entscheidungen sein. &#8222;Wir m\u00fcssen eine Atmosph\u00e4re schaffen, in der ein offener Dialog m\u00f6glich ist, damit die B\u00fcrger sich trauen, sich selbst aufs Spiel zu setzen, durch Trial and Error lernen, scheitern k\u00f6nnen ohne totale Verdammung, und dann gemeinsam weitergehen&#8220;, sagt Katainen. &#8222;In meinem Denken bedeutet F\u00fchrerschaft Ermutigung, ein g\u00fcnstiges Klima f\u00fcr Reformen zu schaffen und Menschen dazu zu bringen, sich zu beteiligen, ihre eigene Zukunft zu erschaffen&#8220;, f\u00e4hrt er fort. Die politischen Entscheidungstr\u00e4ger m\u00fcssen den Staatsb\u00fcrgern vertrauen, wenn sie das Vertrauen der Staatsb\u00fcrger gewinnen wollen.<br><br>Katainen ist der Ansicht, dass in der Individualisierung der Gesellschaft viel positive Energie steckt. In der Welt der Individuen wird Kreativit\u00e4t gef\u00f6rdert. Echte Demokratie wird verst\u00e4rkt, wenn Menschen aus eigener Initiative handeln und ihre eigenen Entscheidungen treffen, ohne jemanden um Erlaubnis daf\u00fcr zu bitten, und ohne es bitten zu m\u00fcssen. Nach Ansicht des Premierministers ist dies eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung, dessen volles Potenzial wir jedoch noch nicht nutzen k\u00f6nnen.<br><br>Ich las vor einiger Zeit in einem Diskussionsforum, dass Finnland in der westlichen Welt der letzte kommunistische Staat ist. Was soll schlecht im Kommunismus sein, wenn es Demokratie der B\u00fcrger f\u00f6rdert, fragte ich. Es ist keine pluralistische Demokratie, antwortete jemand.<br><br>Aber wenn die f\u00fchrende Elite die B\u00fcrger als bevormundete Untergebene der Verwaltung sieht, ist es egal, ob die Gesellschaft als kommunistisch oder demokratisch bezeichnet wird. Eine wirklich pluralistische Demokratie ist sie nicht.<br><br>Manchmal scheint es, dass die einzige Partei, die in den westlichen Demokratien demokratische Rechte hat, das Geld ist. Dem Geld ist jedoch das Konzept der Demokratie fremd. Es kennt nur das Recht des St\u00e4rkeren, das ist in der Tat das Gesetz des Dschungels. Westliche Demokratien sind Demokratien der Lobbyisten. Diejenige, die am lautesten schreien, sind erfolgreich.<br><br>Finnland ist kein kommunistischer Staat. Die Wirtschaftswissenschaft kennt unser System als eine soziale Marktwirtschaft. Das System wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland als ein soziales und wirtschaftliches Modell entwickelt. Es begann mit der Beobachtung, dass die Wirtschaft keinen Mechanismus kennt, der die grundlegenden Menschenrechte sichern w\u00fcrde, so ist es die Aufgabe des Staates, die Funktionen der Wirtschaft zu regulieren. Dieses Ziel ist auch im Vertrag von Lissabon der Europ\u00e4ischen Union verankert.<br><br>Wir leben in der Hoffnung, dass die politische Elite beginnt, die Richterregel von Olaus Petri umzusetzen:<br>[framed_box rounded=&#8220;true&#8220; align=&#8220;center&#8220;]Das Wohlergehen des gemeinen Volkes ist das oberste Gesetz, und deshalb ist alles, was als n\u00fctzlich f\u00fcr das gemeine Volk erachtet wird, Gesetz, auch wenn die Worte eines schriftlichen Gesetzes, anders zu verstehen sind.[\/framed_box]<br><br>Ich denke, dass die Menschen es sich nicht leisten k\u00f6nnen, um dieses Prinzip zu feilschen. Die Wissenschaft hat deutlich genug gezeigt, dass Menschen in einem und dem gleichen Energiefeld handeln. Weil jeder von uns bei der Schaffung einer gemeinsamen Realit\u00e4t einen Einfluss hat, unabh\u00e4ngig davon, ob wir es bewusst oder unbewusst tun, ob wir eine f\u00fchrende Position haben oder nicht, sollten wir uns bewusst f\u00fcr die Verwirklichung unserer langfristigen, gemeinsamen Ziele bem\u00fchen.<br><br>Es wird gesagt, dass das Niveau einer zivilisierten Gesellschaft sich auf eine Weise zeigt, wie sie mit ihren schw\u00e4chsten Mitgliedern umgeht. Die Gesellschaft kann zivilisiert sein, ohne kultiviert zu sein. Ein Kennzeichen einer zivilisierten Gesellschaft ist das Entwicklungsniveau der Technologie. Die Kultiviertheit, Edelmut, das geistige Niveau einer Gesellschaft zeigt sich in den sozialen, zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie wird im Herzen gebildet. Ihr h\u00f6chstes Kriterium ist das Gewissen; wie wir das universelle Bewusstsein zulassen, uns zu f\u00fchren. Kultiviertheit hat nichts mit dem Snobismus, kulturellen Bewusstsein oder gek\u00fcnstelte Vornehmtuerei der Oberschicht zu tun.<br><br>Das Gewissen, das der angeborene, innere Navigator eines jeden Individuums ist, braucht keine \u00e4u\u00dferen Autorit\u00e4ten, um richtig funktionieren zu k\u00f6nnen. Es funktioniert nat\u00fcrlicherweise in jedem Menschen nach den gleichen Grunds\u00e4tzen, weil es ein einheitliches und gleiches Bewusstsein zwischen den Menschen ist, auch wenn die Individuen unterschiedlich sind.<br><br>Das Niveau der Kultiviertheit einer Gesellschaft hat auch eine Einwirkung auf die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Gesellschaft. Deswegen sollte sie in Betracht gezogen werden bei der Messung der wirtschaftlichen Konkurrenzf\u00e4higkeit.<br><br>Politische Kuhhandel, alte Seilschaften und jegliche Formen der Manipulation und Verw\u00e4sserung der gemeinsamen Ziele auf Kosten des Gemeinwohls zur F\u00f6rderung der eigenen kurzfristigen Interessen, sollten in einer Demokratie strafbar sein, wie auch direkte Bestechung. Diese verdeckten Praktiken hinter den Kulissen legen das Fundament f\u00fcr die strukturelle Korruption in der Demokratie.<br><br>Als gesellschaftlich sch\u00e4dlichste Vereinbarung gilt in Finnland der Ende der 1960er Jahre geschlossene politische Kuhhandel, infolgedessen Schwedisch als Pflichtsprache in den Schulen eingef\u00fchrt wurde. Seitdem werden finnischsprachige Finnen verpflichtet, einer kleinen finnlandschwedischen Minderheit (soziale) Dienstleistungen zu sichern; dies verhindert in der Gesellschaft eine Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen in bestm\u00f6glicher Weise. 20 finnischsprachige Finnen m\u00fcssen Schwedisch als Fremdsprache in der Schule lernen (als zweite Nationalsprache), damit einem Finnlandschweden in seiner Muttersprache die Dienstleistungen der Gesellschaft gesichert sind.<br><br>Wie ist es m\u00f6glich, dass man gegen diese Sache nichts tun kann, obwohl allen bekannt ist, dass Schwedisch als Pflichtsprache durch einen politischen Kuhhandel entgegen den Empfehlungen der Experten in die Schulen kam?<br><br>Im Allgemeinen, wenn ein Betrug aufgedeckt ist, oder ein Vertrag gegen die allgemein anerkannten Regeln geschlossen worden ist, wird der Vertrag f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt und die T\u00e4ter werden zur Verantwortung f\u00fcr ihr Handeln gezogen.<br><br>Es wird gesagt, dass die finnlandschwedische Minderheit 80% aller Verm\u00f6genswerte des Landes besitzt. Es hei\u00dft, dass die Elite der f\u00fcnfprozentigen Minderheit 80% besitzt. Dieses Verh\u00e4ltnis ist genauso verdreht wie das globale Verh\u00e4ltnis, wo ein Prozent der Weltbev\u00f6lkerung 80% des Reichtums der Welt kontrolliert.<br>Damit die Stellung der Minderheit weiter verbessert wird, liegt der gr\u00f6\u00dfte Teil dieses Geldes in Stiftungen, und somit wird keine Steuer darauf gezahlt.<br><br>Wie ist das in einem Land m\u00f6glich, das sich selbst eine Demokratie nennt?<br>K\u00f6nnte dies etwas mit der Tatsache zu tun haben, dass die Lobby-Partei der schwedischsprachigen Minderheit, deren Unterst\u00fctzung im ganzen Land sich bei 4 bis 5% befindet, und die sich haupts\u00e4chlich mit der zweiten Nationalsprache befasst, seit fast 40 Jahren (seit 1975) 2-6 Ministerposten in der Regierung hat?<br><br>Die Rede von Jyrki Katainen l\u00e4sst jedoch hoffen, dass die Zeit der politischen Kuhhandel vorbei ist, und dass die Entscheidungstr\u00e4ger beginnen, nach den Richterregeln von Olaus Petri zu handeln.<br><br>Es bleibt abzuwarten, wie treu Katainen seine politische Linie f\u00e4hrt und wie aufrichtig er seine Ziele realisieren wird. Sicher ist aber, wenn er mit seiner Politik konkrete Resultate erzielt, wird er in die Geschichte als ein Premierminister eingehen, der eine neue politische Kultur eingeleitet hat.<br><br><strong style=\"font-size: 20px; color: #104f0c;\">Siehe auch:<\/strong><br><br><a title=\"Jyrki Katainen: Suomi on keskell\u00e4 isoja muutosvoimia.\" href=\"http:\/\/www.kokoomus.fi\/uutiset\/katainen-suomi-on-keskella-isoja-muutosvoimia\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jyrki Katainen: Suomi on keskell\u00e4 isoja muutosvoimia<\/a><br><br><a title=\"Soziale Marktwirtschaft\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Soziale_Marktwirtschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Soziale Marktwirtschaft<\/a><br><br><a title=\"Soziale Marktwirtschaft in der Europ\u00e4ischen Union\" href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/internal_market\/smact\/docs\/brochure-web_de.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Soziale Marktwirtschaft in der Europ\u00e4ischen Union<\/a><br><br><a title=\"Olaus Petri\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Olaus_Petri\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Olaus Petri<\/a><br><br><a title=\"Rules for Judges\" href=\"http:\/\/oikeusministerio.fi\/en\/index\/publications\/esitteet\/olauspetrintuomarinohjeet.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rules for Judges<\/a><br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der finnische Premierminister Jyrki Katainen behandelte in seiner Rede am 14.08.2013 in der Er\u00f6ffnung des Ministertreffens der konservativen Sammlungspartei die Faktoren der sozialen und gesellschaftlichen \u00c4nderungen. 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